Presse + CD-Kritiken
Maingold (Juli 2004)
www.maingold.com
Seit 3 Jahren existiert die fünfköpfige All-Girl-Band "Velvet June" ohne dass mir das bislang aufgefallen wäre.
Gut, es gab bereits 4 Songs auf der CD-Sampler-Reihe "Girls That Rock", sowie die Rotwein-Verschütt-Party bei Mauri...
auf der ich Gitarristin Laura nicht mehr ganz nüchtern erzählte, dass Songwriter-Schrammelgitarren doch irgendwie
beliebig wären. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ebendiese Laura wenig später mit ihrer eigenen Band eines DER
Überraschungsalben des Jahres einspielen würde. 4 Cleangitarren-Akkorde eröffnen den Opener "Fast Forward" und so
ab dem zweiten Hören stellt sich da ein absoluter Suchtfaktor ein, weil der Song einfach eine wunderbar perfekte
Hookline hat. Ebenso das zweite Stück "I Hate Your Smile", was vor dem Refrain durch einen kurzen Break zeigt,
dass hier mit Akzenten und viel Detailverliebtheit komponiert wird. Also nix mit beliebigem Schrammelpop ;-)
Bei "Joshua" überkommt mich dann so ein Gute-Laune-Feeling mit melancholischem Hintergrund, was abermals alle
Anforderungen an einen perfekten Popsong erfüllt. Ein ganz besonderes Stück ist jedoch "The Sign". Keine "Ace Of
Base"-Coverversion sondern ein völlig eigenwilliges Lied mit 7/4-Takt-Strophen, einem sehr atmosphärischen
Mittelteil und mal wieder einem dieser typischen gänsehauterzeugenden "Velvet June" Refrains. Dann die reläxte
Off-Beat-Gitarre bei "Unplugged" - wer hätte gedacht dass dieser spartanisch komponierte Song noch in solch
verzerrten kraftvollen und selbstverständlich eingestöpselten Gitarren ausartet... ? Auch "Und das geht so"
(ebenso englischsprachig) wirkt so locker, dass ich mich doch frage ob "Velvet June" denn auch mal etwas anderes
als NUR gute Songs schreiben können.
Können sie - aber wenn mir das schnelle "Part Of You" und das fast schon zu normal wirkende "Days After" nicht so
den Kick geben, sind diese beiden Stücke 1. auch nicht schlimm und 2. sind acht Volltreffer von zehn Schüssen
alleroberste Liga, vor allem wenn man bedenkt, dass es zu allen Zeiten auch erfolgreiche Alben gab, auf denen
außer den obligatorischen zwei Singlehits nur uninspirierte Langeweile herrschte. Ach ja, und mit "You Stole My
Carpet" am Schluss wird kein sentimentaler Ausklang, sondern das großartigste Abgehstück geboten, was die Band
bislang geschrieben hat - da tobt eine Party im Wohnzimmer, bzw. sicher auch auf den Konzerten.
Hervorzuheben ist auch der glockenklare Gesang von Katharina Gerzymisch, die zwei Jahre ihre Stimme ausbilden ließ,
und dank ihres Naturtalentes ihrer Band einen einzigartigen Wiedererkennungswert verleiht. "Velvet June" ohne
Katharina will ich mir gar nicht vorstellen.
Erschienen ist das Ganze im Eigenverlag, wobei die Jungs vom Label "Waggle Daggle" die wunderschöne Website der
Band gestaltet haben. Dennoch haben "Velvet June" es geschafft, dass ihr Album "One Day In June" bundesweit im
Handel erhältlich ist.
Fazit: 2004 legen "Velvet June" richtig los und werden ihren Weg auch überregional gehen. Ihre Songs sind melancholisch,
ohne vor sich hin zu plätschern und haben intelligente Melodien, mit einem zielsicheren Feeling für ein Songwriting das
im Ohr hängen bleibt. Satte Gitarrenriffs, clever arrangiert, sauber produziert und exzellent gespielt, und obwohl die
Band selbst ihre Musik als "Pop/Rock" bezeichnet, entspricht sie auch dem derzeit so angesagten Emo-Trend. Das hat Stil
und wer meiner Lobhudelschleimerei jetzt noch glaubt ist selber Schuld... wer aber aufgrund dieses Reviews trotzdem
reinhört mag das gleiche dabei erleben wie ich.
(Carsten, Juli '04)