16. + 17. Dezember 2005, Chemnitz und Nünchritz
Eastend boys and westend girls...
Man definiere einen Tagesbeginn an den Zeitpunkt, an dem man sich aus seiner Schlafstätte erhebt. Sollte der Schlaf einmal ausbleiben, beginne der Tag mit dem Frühstück. Wenn auch dieses (in welcher Weise auch immer) verwehrt bleibt, macht es eh keinen Sinn sich über den Tagesbeginn zu streiten, denn der Tag ist so wie so gelaufen...
16.12.2005
14:03 Der diesmalige Velvet June-Tourbus wird mit Bass und dazugehörigem Anhang gefüttert.
14:27 Auch der Bus muss lernen: Zu einer Band gehört das Schlagzeug. Also nimms oder bleib!
14:35 Treppauf-Treppab im Bunker, Trompetenunterricht stören (als sei das eine
Schande...) und das restliche Equipment in den Kofferraum puzzlen. Eindeutig
erfolgreich gelöst.
14:45 Kadda kommt? Kadda kommt nicht? Kadda wird am Bahnhof abgeholt. Man möge
erwähnen: Freitagnachmittag in Frankfurt. Spaß...
15:12 Velvet June macht sich vollzählig auf den Weg zur Autobahn. "Wo lang?" "Äääääh...
Rechts. Da. Da? Da. Da!" (Oder? Ja.)
15:36 120 - 100 - 80 - 60 - Endlich Stau bei Roßbach....
15:41 ...nur keiner weiß warum...
17:32 Schnee Nummer 2! Inzwischen ist viel passiert: 1x Tankstop, bei dem trotz Lauras
Bitte, dass alle aufs Klo gehen sollen, damit nicht 1/2 Stunde später die nächste Pause sein muss,
nur Julia auf's Klo geht...Laura noch nicht mal selbst... 1x (kurz drauf) Klostop,
Fahrerwechsel, ein paar kleine Staus und Stockungen, Einbruch der Dunkelheit und natürlich
Schnee Nummer 1.
18:08 Schneesturm für Hartgesottene! Und wir im Rampenlicht. Der Thüringer Wald ist weiß
und sieht bestimmt schön aus! Die Nebelschlussleuchte der münchner Pissnelke vor uns
strahlt uns an, so dass wir geblendet sind und außer seinem Durchhaltevermögen bei der
Linksspurblockierfahrweise nichts anderes mitbekommen, als tischtennisgroße
Schneeflocken.
18:22 Der Scheibenwischer jongliert mit auf der Scheibe herumtreibenden Eisschollen...
19:10 15 Kilometer Stau, wurde gerade im Radio gesagt... An der letzten Ausfahrt sind wir
gerade vorbeigesaust. (Naja, gesaust ist gut... vielleicht wenn man von Schildkrötengeschwindigkeit
ausgeht!) Die lustigen Kinder auf der Rückbank vertreiben ihre Langeweile
damit, "Velvet June" oder "www.velvetjune.de" auf Zettel zu schreiben und sich damit
impulsiv an die Scheibe zu schmeißen. Kaja macht noch lustige Gesangsgesten und versucht
pantomimisch darzustellen, dass es um Musik geht! Und das mit Erfolg, denn...
19:26 ...2 CD's sind an Vorbeifahrene verkauft!!! Wir bauen unseren Stau-Verkauf weiter
aus, kramen noch ein paar CDs aus dem Kofferraum weitere Schilder (auch Preislisten?)
werden gemalt... Leider müssen wir auch nochmal im Club anrufen und sagen, dass der Stau
uns immernoch gefangen hält... Überlegungen machen sich breit, auf die nächste Landstraße
zu fahren.
20:10 In sehr kleinen Schritten haben wir es zu einem Parkplatz geschafft und es heißt:
Pinkelpause! (Endlich!) Und ein LKW-Fahrer klärt uns über den Grund des Staus auf: "Da
hat sich einer durchgefahren" Was das auch heißen mag...?
20:18 Wir überblicken eine ziemlich lange Strecke der Autobahn und nichts bewegt sich...
Der Parkplatz eben hat uns einen guten Eindruck der Eisglätte auf den Straßen gegeben...
angesichts dessen nehmen wir vom Landstraßengedanken schnell wieder Abstand.
20:56 Wir fahren! Das ist gut, denn so wird es langsam auch wieder warm im Bus! Wir haben
schätzungsweise noch 100 Km vor uns...
21:03 Ganz kleiner Scherz. Wir stehen natürlich wieder.
22:37 Und stehen immernoch. In der letzten Stunde haben wir die überaus weite Strecke von
etwa 100 m hinter uns gebracht. Und kein Spiel hilft gegen die sich breit machende
Langeweile, langsam wird's nervig. Kleiner Hinweis: In 23 Minuten beginnt unser Gig
im vielleicht 98,4 Km entfernten Chemnitz. Immerhin wissen wir, dass das "Subway to Peter" voll ist
von Leuten, die auf uns warten...
23:13 Stau. Ach, tschuldigung, das ist ja nix neues. A4 voll gesperrt hieß es gerade.
Entscheidung: Nächste Ausfahrt gehört uns, komme was wolle!
23:24 Julia entdeckt das Ausfahrtsschild! Und wird es sicherlich noch 50 Minuten bewundern
können. Und die Geschichte in Kajas Geschichtsbuch bewegt sich schneller als wir...
23:34 Nein, keine Angst, wir haben uns nicht fortbewegt. Kajas Geschichte war zu schnell
für sie und hat sich erfolgreich aus dem Stau gemacht...
23:50 Wir haben uns immernoch keinen cm bewegt und Julia bewundert das viel zu weit
entfernte Ausfahrtsschild. Und dann die Realisierung: Verdammt, das ist erst das 1000m
Hinweisschild... Schade, nicht?
0:20 Wir erreichen die Ausfahrt! Nein, nicht die Ausfahrt Chemnitz - so schnell geht das ja
auch nicht - sondern die Ausfahrt Magdala, was auch immer das sein mag. Unsere Ungedult und
Langeweile haben gesiegt, nach fünf Stunden nicht verwunderlich. Die Landstraße ist, wie
es nicht anders zu erwarten war, frei von Autos, nicht aber frei von einer Eis- und Schneeschicht.
Na, jetzt aber anhand der freien Bahn mal nicht übermütig werden!
01:01 Wieder auf der Autobahn, aber jetzt hinter der Vollsperrung. Schlitternder- und
rutschenderweise sind wir auf feldweggleichen Straßen nach Jena, durch Jena hindurch und
wieder zur Autobahn gekommen.
01:50 In Chemnitz an der Ampel stehend und das Grünpfeilschild, das uns das Abbiegen nach
rechts erlaubt übersehend, hupt uns ein Typ in einem kleinen Wagen an, überholt uns und
fährt vor uns her direkt zum Club. Wir lachen und denken "Was ein Zufall!" Falko, der zum
Subway to Peter gehört, hatte uns allerdings wegen der vielen "Velvet June"-Schilder, die
unser Auto schmücken, längst erkannt.
02:04 Welcome to Chemnitz! Wir sind da! Es ist noch erstaunlich voll im Subway und wir
kriegen erst mal was zu essen und zu trinken.
02:15 Obwohl wir aufgrund des schönen Clubs und der Freude endlich angekommen zu sein,
richtig motiviert unsere Sachen holen und aufbauen würden, wird beschlossen, dass wir
nicht mehr spielen, weil es schon so spät ist. Schade! Aber wir kommen wieder! Stattdessen unterhalten
wir uns schön mit den übriggebliebenen Gästen, was wegen des ausgefuchsten Dialekts und des
nicht geringen Bierkonsums der Leute manchmal nicht ganz einfach ist. Dagegen hilf nur Bierkonsum unsererseits.
04:41 Wir werden langsam müde und auch die Bardame Sybille sagt sie will bald schließen
und uns anschließend in die Bandwohnung bringen.
05:04 Seltsame Begegnung mit den zwei Zimmergenossen für diese Nacht, die durch unser
Kommen aufgeweckt werden und uns im betrunkenen Zustand wirres Zeug erzählen.
05:33 Trotz enormen Geräuschpegels, verursacht durch die zwei Schnarchnasen, die eben noch
mit schlaf- und alkoholgetrübten Blick wildes, zusammenhangsloses Zeug lallten, schlafen
wir auf der Stelle ein.
17.12.2005
09:09 Kajas Handy trötet mit dem üblichen schrillen Dudelton los, der vermuten lässt, dass mindestens
drei Handys auf einmal klingeln. Folge: Laura ist wach, sonst niemand...
10:27 ...alles schläft, außer Laura...
11:39 ...schlafende Gestalten in allen Betten, nur nicht in Lauras.
12:44 Laura steht unmunter auf, der Rest pennt munter weiter.
12:59 Die beiden lustigen Rockerkollegen stehen auf und unterhalten sich während ihres
Bierfrühstücks mit der sich ansonsten eher langweilenden Laura.
13:10 Jonathan, der Fotograph und Bandfreund, steht auf und gesellt sich zur lustigen Rocker-Laura-Gruppe.
14:00 Die Rocker sind mitlerweile verschwunden und Jonathan und Laura beschließen keine
Gedult mehr zu haben: Rollläden hoch - keine Gnade!
14:53 Einkaufscentrum Chemnitz, wohlbemerkt an einem Samstag kurz vor Weihnachten, es
wird besucht: Ein Bäcker, ein schlechtes Schnell-Pizza+Pasta-Restaurant, Aldi.
17:18 Wir sind auf dem Weg nach Nünchritz, verschneite, rutschige Straßen, Dunkelheit.
Schöne Landschaft, schöner Schnee, schöne Musik.
17:42 Erste Ortskenntnisversuche. Wegen des Schnees sind keine Schilder zu lesen, denn
ja, er erlangte die unglaublich unpraktische Fähigkeit, an eben jenen senkrecht hängen
zu bleiben. Daher: Mitten auf einer T-Kreuzung stehend halten wir einen Fahrradfahrer (!)
an: "Sind wir hier in Nünchritz?" Das schon. Es folgt eine eher umständliche, lange
Wegbeschreibung (Wegbeschreibungen, die mit "Oh, das ist schwer..." beginnen, sind doch
irgendwie unbeliebt...), von der wir nach dem dritten Abbiegen und dem
doch-noch-Schneeketten-aufziehen-müssen?-panikverursachenden Satz "dann den
steilen Berg hoch" die ersten zwei Schritte wieder vergessen hatten.
18:03 Ohne den angedrohten steilen Berg haben wir das Kombi dann wunderbar und eher durch Zufall als durch Wissen
gefunden und inmitten von vollgeschneiten Bäumen parken wir.
18:17 Locationtauglichkeitscheck. Eigentlich ganz cool, wenn auch die Wände etwas
merkwürdig mit Farbe und plastischen Gesichtern versorgt wurden... Der Konzertraum ist überaus lang, dafür
um so schmaler und die Bühne um so breiter. Strange!
18:46 Runlungern. Nix-tun. Gelangweilt sein (mal wieder). Kickern..
19:25 Runlungern. Nix-tun. Gelangweilt sein (immernoch). Internet
19:30 Runlungern. Nix-tun. Gelangweilt sein (Wer hätt's gedacht?).
19:46 Face Aout Face beginnt den Soundcheck. Velvet June den Merchstandaufbau.
20:13 Es gibt Brötchen mit sehr leckerer veganischer Tomatenpaste. Die Velvets halten es
für das Abendessen und stürzen sich drauf...
20:31 ...und können daraufhin kaum mehr was vom richtigen Abendessen essen. Aber es
schmeckt doch ziemlich gut!
21:34 Velvet June baut die Bühne um und macht Soundcheck. Ohoh, wir haben lange nicht
mehr geprobt...
21:44 Was macht eigentlich der Merchstand? Oder auch: Was wird mit dem Merchstand gemacht?
Berechtigte Frage, denn: Gästebuch inklusive Stift sind weg. Das Buch finden wir um die
Ecke draußen. Ok, wie gut, da hat wohl nur jemand Weihnachten mit Ostern verwechselt.
Dachten wir, bis wir das Buch öffneten und feststellten, dass ganz witzige, total
erwachsene, herrlich geistreiche und außerdem noch intellekutelle Leute sich die Arbeit gemacht hatten, jede einzelne
Seite mit ihrem verdammt weitreichenden Wortschatz zu füllen: 88, SS, Hakenkreuze, 23,
Sterbt, homosexuelle Breitarsch-Antilopen! (Darauf muss man erst mal kommen!) Vielen Dank,
wenigstens haben sie Audauer bewiesen, denn es waren noch rund 4/5
des Buches leer. W******! #!fluch!#piiiiiiep!#!schimpf#kotz#Pisser#! Da fühlt man sich
doch gleich freundlich aufgenommen und hat große Lust, für solche Mitmenschen ein Konzert zu spielen.
22:34 Trotz übler Laune wird der Plan gefasst, jetzt auf die Bühne zu gehen und eine
feine öffentliche Probe hinzulegen. Also spielen wir für Face About Face, 2 Leute der
Kombi-Crew und 3-4 andere Gestalten - und natürlich nicht zu vergessen uns - ein herrliches
Set. Spaß gemacht hat es auf jeden Fall trotzdem!
23:16 Wir beschließen Junia und Part Of You weg zu lassen und die Bühne für Face aubout
Face zu räumen, die schnell auf der Bühne stehen und für uns und die zwei Kombicrewleute
ein sehr gemütliches und familiäres Konzert spielen.
0:34 Es beginnt das obligatorische Herumhängen im Backstagebereich. Es gibt immernoch
Brötchen mit leckerer Tomatenpaste, aus der man sicherlich auch Tomaten- und Auflaufsoße,
Pesto, Quark, Joghurt, Pudding, Mousse au Chocolat machen... na gut, lassen wir das.
2:18 Die Augen werden kleiner, der Alkoholspiegel größer und der Agregarzustand der Luft nähert
sich dem Status fest.
03:00 Die Richtung heißt Bett. Ohne Umwege und Staus.
18.12.2005
10:00 Der Wecker klingelt. Der Wecker wird zum Schweigen gebracht. Keiner rührt sich.
10:39 Langsam kommt Bewegung in's Haus. Der Kombi-Typ ist wahrscheinlich schon genervt,
dass er (auf unsere Bitte hin) seit geraumer Zeit das Frühstück fertig hat und sich niemand
blicken lässt.
10:59 Nach und nach zieht es einjeden zum Frühstücksbüffeeeeee.
12:00 Geplanter Abreisezeitpunkt. Wir entscheiden, so langsam ans Buseinladen zu denken.
12:44 Bus beladen, CD's getauscht und es taut. Los geht's auf die unendlichen Weiten der
Landstraßen, auf denen der Tauzustand leider erst teilweise angekommen ist.
13:55 Mitlerweile auf der Autobahn angelangt gibt's die erste
Tankzigarettentischumbauzuckerspiegelerhöhkaffeetoilettenpause. Und dann heißt es:
Kilometerroppen durch herrliche weiße Gegenden.
16:34 Stau haben wir diesmal keinen, können uns aber nicht daran gewöhnen, einfach
vorranzukommen. Deshalb heißt es alle halbe Stunde eine Tankstelle aufsuchen, um die
dreckigen Scheiben zu reinigen, was aufgrund der defekten Wischwaschanlage nicht
während der Fahrt geht. Auch Nachfüllen der Flüssigkeit hat nichts gebracht...
17:04 Wieder eine Tankstelle. Und ein freundlicher ADAC-Mann, der uns erklärt, dass wir
trotz bereits getätigter Nachfüllaktion immernoch zu wenig Flüssigkeit im Tank haben.
Na gut, wenn er meint. Und siehe da: Es funzt! Juche, also kann man doch jetzt mal
durchfahren, näch?
18:47 Haltestelle Nr. eins wird erreicht und der Bus spuckt sowohl Bassistin als auch
Anhang aus.
19:00 Bunker, Busausladen, Kadda geht zur Bahn, die sie heimwärts transportifiziert. Der Rest
mit kleinem Zwischenstop bei Kajas Wohnung in die Batschkapp zum Konzert der lieben Verlen-Freunde.