19. - 26. November 2005, Popcamp, Arbeitsphase zwei, Berlin

"This is fact not fiction..." Death Cab For Cutie

Wie lange haben wir uns auf diese Woche gefreut! Na gut, es waren "nur" so um die zwei Monate, nämlich seit der ersten Popcamp-Woche, die sehr genial war. Die Woche im September hat viel Spaß gemacht und uns gut auf diese nächste Woche eingestimmt. Und diesmal musste es ja quasi noch besser werden, denn diesmal waren wir ja vollzählig!
Egal wie, wir waren so gespannt auf diese Woche in Berlin, dass wir wirklich alle pünktlich am 19. November morgens um neun vorm Bunker standen (das ist rund zwei Stunden vor dem Aufstehen!)!
Ich drückte mich sehr geschickt, aber auch ganz schön teuer um das Buseinladen, indem ich unbedingt noch Saiten kaufen musste. Ich hatte es kaum erwartet, aber in einem kleinen Musikladen in Bornheim bekam ich welche...für astronomische 39 Euro!!! Was tut man nicht alles für die liebe Musik!
Glücklich, denn endlich mit neuen Saiten ausgestattet und vollgeladenem Bus, ohne ein Fingerchen dafür gerührt zu haben, ging's dann schnell auf die Autobahn mit grober Richtung Berlin!
Schon mal 'n Ford Transit mit Überlänge gefahren? Das macht schon Spaß...und solche Autos, wie ich sie eigentlich fahre (nämlich solche, von denen hochkant gut und gerne drei Stück in unseren Monsterbus passen würden) haben höchsten Respekt vor einem... Herrlich!

Ohne Stau, nur mit ein paar Pausen (unter anderem um Luft aufzupumpen, mit einem hypermodernen Automaten, der so modern war, dass Kaja erst mal rund 1 Bar ablies statt aufzupumpen) fuhren Laura und ich abwechselnd einen Schlafwagen nach Berlin, wo wir nach sechs Stunden ankamen und uns als erstes auf die Suche nach unserem Hotel machten.
Ich bin erst mal dran vorbei gefahren, denn so wirklich überzeugt war ich nicht, dass das unser Hotel sein sollte. Von außen war es wirklich nicht der Hit, aber innen war es ziemlich herrlich.
An der Rezeption trafen wir ein paar Jungs von einshoch6, die schon kindergeschädigt aus der Landesmusikakademie wieder ins Hotel zurückgekommen waren... Denn dort, wo es in der Woche ums Musikmachen gehen sollte, war zur gleichen Zeit (zumindest am ersten Wochenende) Puppentheaterfestival, also wuselten rund 10.000 Kinder durch das Haus (wenn's nicht so viele waren, haben sie sich gut angestrengt die fehlenden zu ersetzen).
Wir ließen uns vom Geseufze der Jungs nicht abschrecken, nahmen all unseren Mut zusammen und fuhren mit unserem Bus und allem Kerschel zur Landesakademie. (Hatten wir eine andere Wahl?!) Da wir nicht wussten wohin, stellten wir den Bus völlig unauffällig direkt vor den Haupteingang, quer zu den breiten Stufen, die auf den großen Vorplatz des Gebäudes heraufführen, und versuchten uns durch das Haus zu kämpfen.
Wirklich übersichtlich haben die Berliner in den 60ern nicht gebaut... Irgendwer versuchte uns den Weg zu erklären, ungefähr mit diesen Worten: "Den Flur entlang, die erste Treppe rechts hinter euch 2 Stockwerke rauf, 2 mal links um die Ecke, am Bären vorbei, die Treppe einen Stock wieder runter, nochmal rechts durch die Glastür durch und dann müsst ihr mal schauen!" Na super. Danke. Eher durch Zufall, als durch Wissen, landeten wir beim Leiter der Musikakademie, der uns wenigsten sagen konnte, wohin mit unserem Zeug und wo's Essen geben würde (was wir aber später natürlich auch nicht auf Anhieb fanden...). Das war ja das wichtigste.

Wir schleppten also unser Bandzeug in unseren Raum, bauten auf und wenig später hieß es schon essen - eine der drei Hauptaktivitäten auf dem Popcamp. Danach fingen wir gleich mit Musik an, was uns schon den ersten halben neuen Song einbrachte, so mal eben zwischen Essen und Begrüßungsrunde... So sollte es weitergehen...was aber leider nicht ganz klappte... (Bilanz der Woche: 2 neue Stücke, fünf aufgenommen, ein neues in Arbeit, was bisher nur Kadda und Laura kennen, und viel viel Arrangement- und Bühnenpräsenzarbeit.)

Die restlichen Tage waren eigentlich sehr überschaubar gestrickt: Eventuell gabs mal einen Vortrag zum Beispsiel zum Thema GEMA oder Marketing (Ich verkneife mir mal jeden Kommentar über den Marketing-Menschen...), aber hauptsächlich saßen wir in unserem Proberaum, machten neue Stücke und auch alte, regelmäßig schneite ein Dozent rein, der zuhörte und ein paar Kommentare und Anregungen brachte, mit uns arbeitete und nach einer Weile von einem anderen hereinschneienden Dozenten abgelöst wurde. Ach ja und man darf nicht vergessen: Regelmäßig wurden wir natürlich vom Essen unterbrochen! Und irgendwann, wenn es schon lang dunkel war, schlurften wir durch eisige Kälte ins Hotel zurück, schliefen, oder auch nicht, und freuten uns auf das leckere ****-Frühstück am nächsten Morgen.

Am Freitag wurden wir dann geradezu aus der Routine gerissen: Anstatt erst um 10/halb 11 in der Landesakademie einzutrudeln, mussten wir schon um halb 10 (!!!) da sein, um unser ganzes Bandequipment aus dem Raum durch den Schnee (Ja, auch in Berlin hat's Schnee gehabt!) in den Bus zu laden und uns dann auf den Weg zur Kulturbrauerei zu machen. Überraschenderweise fanden wir ganz schnell einen Parkplatz für unser Schiff, obwohl sich beim Einparken ungefähr 15 Autos hinter uns stauten... Aber hey-da sag mal einer Frauen können nicht einparken! Wir standen wie 'ne eins!

Um 12 sollte der Soundcheck beginnen. Eine halbe Stunde vor unserem eigentlichen Soundchecktermin (um in Zahlen zu reden um 13:30 Uhr) begann dann endlich die erste Band... Wir lungerten also den ganzen Nachmittag im sehr gemütlichen Backstagesofa und es hieß warten-warten-warten.
Ich hab keine Ahnung, wie wir es geschafft haben, aber die Zeit ging dann doch recht schnell vorbei und es stand mal wieder Essen an, im leckeren Italienerlokal gegenüber! Zum Aufmuntern gab's zum Abschluss einen kleinen Schnapps (auch Zwischenhuldigung genannt) und Velvet June waren gerüstet für ihre wichtige Rolle als Opener des Abends! Wir waren sogar pünktlich um fünf vor neun mit allem fertig (wenn ich sage mit allem, meine ich alles), nur um dann zu erfahren, dass der Beginn der Show 'ne halbe Stunde nach hinten verlegt worden war. Danke. Noch ne halbe Stunde nervenstrapazierendes Warten.
Aber es hat sich gelohnt! Wir legten eine herrliche Show hin (Setlist? Setlist: Farewell - Travis - Junia - Kleines neues - I hate your smile - Me - Zero ten twentynine - Tiny angel) und überraschten wohl den einen oder anderen im Puplikum - das was wir erreichen wollten!
Die Bühne war echt riesig, ich bin gewohnt mich umzudrehen und vor Kaja zu stehen, das war diesmal bei weitem nicht der Fall... Es machte auf jeden Fall viel Spaß und durch die vielen Leute im Puplikum, die wir kannten, wurden wir richtig schön motiviert (Danke)! Aber spätestens nach dem Auftritt war klar: Gut, dass wir die erste Band gewesen waren! Wir waren dann nämlich fertig und konnten die Auftritte von Kent Coda, Cyminology, Jupiter Jones und einshoch6 völlig in Ruhe genießen.

Nach großer Versammlung aller am Popcamp Beteiligten und damit einhergehender Selbstbeweihräucherung (oder klatschten wir uns doch gegenseitig?!) hieß es zusammenpacken und möglichst schnell und gut ins Hotel kommen. Dort landeten wir dank Lauras Alkoholabstinenz für diesen Abend (Vielen Dank nochmal dafür!!!) auch sicher und machten noch Aftershowparty mit dem Rest.
Ich möchte nicht wissen, wer am nächsten Morgen die Hotellounge aufräumen musste - er oder sie tut mir jedenfalls leid und ich bin sehr dankbar, dass ich es nicht selbst war...

Nach rund vier Stunden Schlaf hieß es dann am Samstag endgültig Tschüss sagen (jeden zweiten hatte man schon in der Nacht verabschiedet) und nach einer kleinen Berlinrundfahrt (Die wichtigsten Touri-Plätze haben wir wirklich noch gesehen: Alex, Unter den Linden, Brandenburger Tor, Museumsinsel und die Warteschlangen vor'm Reichstag.) hieß es wieder Autobahn.
Wegen der angeblich überall herumliegenden, riesigen Schneeberge waren wir auf eine lange Fahrt vorbereitet, kamen aber erstaunlicherweise schon nach etwa 5 Stunden wieder in Frankfurt an (von Norden nach Süden geht's eben doch schneller...geht ja von oben nach unten ;o)).

Und jetzt sind wir schon wieder sieben Tage hier und können uns noch gar nicht dran gewöhnen. Alles ist wieder so normal und fast wie vorher und so langweilig. Wir würden viel lieber jeden Morgen einfach aufstehen, in den Proberaum taumeln, richtig schön arbeiten, neue Konzerte planen, das Popcamp-Gefühl noch etwas aufrecht erhalten und und und. Aber was nicht ist kann ja noch werden und zumindest planen können wir auch so ganz gut. Das neue-Lieder-schreiben müsste eigentlich immernoch funktionieren und neue Ideen für die Homepage haben wir auch schon einige. Und mit neuem Proberaum wird eh alles ganz anders...sprachs und hatte schon die nächsten wirren Flausen im Kopf.

In diesem Sinne.
Julia.

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